Buchempfehlungen fürs Studium der Kunstgeschichte

Gombrich, Poeschel, Binding, Koepf? Und was bitte ist ein LCI? …Für die, denen diese Namen noch kein Begriff sind: Heute soll es um die Bücher gehen, die mir bisher durch das Studium geholfen haben!

Buchempfehlungen-Kunstgeschichte

Um das ganze einigermaßen Übersichtlich zu gestalten, möchte ich jedem Buch eine eigene Überschrift widmen, darunter folgt eine allgemeine Beschreibung beziehungsweise Einschätzung. Die Bewertung ist natürlich rein Subjektiv und soll euch einfach nur einen kleinen Überblick verschaffen! Die Bücher sind so aufgelistet, wie ich sie in meinem Zimmer zusammengesucht habe, die Reihenfolge hat also keinen tieferen Sinn. Hinter einigen Büchern findet ihr das (♥)  was bedeutet, dass das Buch (meiner Meinung nach) ein „Standardwerk“ der Kunstgeschichte ist und/oder ich die Anschaffung sehr empfehlen kann. Aber jetzt los- die Buchbeschreibungen sind schon lang genug!

Poeschels Handbuch der Ikonographie

Dieses Buch ist wirklich eher ein Handbuch als ein Lexikon. Es ist durch die Oberkapitel Altes und Neues Testament, Hagiographie, Mythologie und Geschichte gegliedert. Das ganze ist durch Unterkapitel wie >Die Passion >Der Einzug in Jerusalem etc. sehr übersichtlich. Gerade der Bibelteil ist eine sehr gute Zusammenfassung, auch für die, die gerne mehr wissen wollen als in einem normalen Lexikon steht, aber dennoch nicht unbedingt die Bibel aufschlagen wollen (durch Bibelverweise im Text ist dies aber gut möglich).
Poeschel, Sabine: Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst.Darmstadt 2011.

Who´s who in der antiken Mythologie

Mythologie ist für dich ein einziges Wirr-Warr und du willst bitte einfach mal klare Beschreibungen zu den Personen? Dieses kleine Büchlein, das sich eher wie kleine nette Geschichten als wie ein Fachbuch liest, ist bestens geeignet, wenn man sich der antiken Mythologie nähern will, einen Überblick bekommen möchte oder einfach ein wenig „Ahnenforschung“ betreiben möchte… Die alphabetisch geordneten Namen der Götter, Nymphen, Titanen und was es sonst noch in der Mythologie gibt, dienen wie in einem Lexikon als Stichpunkte. Genannt werden u.a. Verwandschaftsbeziehungen, Attribute und Lebensgeschichte. Die länge der Artikel variiert je nach Informationsmenge zur jeweiligen Person.
Fink, Gerhard: Who´s who in der antiken Mythologie. Deutscher Taschenbuchverlag Bd. 32534. München 2013.

Lexikon der christlichen Ikonographie / Das LCI (♥)

Das LCI ist, soweit ich das beurteilen kann, das Standard-Nachschlagewerk der christlichen Ikonografie. Wenn du für ein Referat oder eine andere Ausarbeitung etwas fundiert nachschlagen möchtest, bist du bei dem LCI an der richtigen Stelle. Mit acht Bänden und 2840 Seiten ist das Werk sehr umfassend, auch sind die Artikel sehr ausführlich und teilweise bebildert. Die Apokalypse des Johannes erstreckt sich beispielsweise über 17 Spalten (inkl. Abbildungen). Zudem haben die Stichwörter ausführliche Angaben mit weiterführender Literatur. In der Ausführlichkeit der Artikel liegt- wenn man so sehen mag- das größte Manko des LCIs. Ich persönlich schaue, wenn ich schnell etwas nachschlagen möchte lieber in das Seemann Lexikon oder Poeschels Handbuch der Ikonographie. Für eine eingehendere Recherche nutze ich allerdings immer das LCI.
Ob man sich die achte Bände zulegen möchte oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. I.d.R. sollte das LCI in jeder kunstgeschichtlichen Institutsbibliothek stehen. Es ist also meist nicht notwendig das LCI im eigenen Regal stehen zu haben. Schick sieht die bunte Sonderausgabe natürlich schon aus! ;)
→ Kirschbaum, Engelberg SJ u.a. [Hrsg.]: Lexikon der christlichen Ikonographie. Freiburg im Breisgau 2012.

Die Geschichte der Kunst / Der Gombrich (♥)

„Der Gombrich“ ist ein wirklich sehr gelungener Versuch, die Geschichte der Kunst in einem Buch zusammen zufassen! Mit vielen, für die jeweiligen Epochen sehr aussagekräftigen Abbildungen, wird der ohnehin angenehm zu lesende Text aufgebrochen und man kann das Gelesene direkt auf die gezeigten Werk anwenden. Den Gombrich kann man beinahe wie einen Roman lesen, der Text liest sich ohne viel „Fachchinesisch“, ohne an Sachlichkeit, Information oder Witz zu verlieren. Besonders gefallen mir die vielen Verknüpfungen und das Hintergrundwissen, das man nach dem Lesen zu der jeweiligen Epoche hat. Ebenso wie beim LCI kann auch hier der Vorteil zum Nachteil werden: Um mal eben schnell etwas zu einer Epoche nachzuschlagen, ist der Gombrich eher weniger geeignet, wobei man natürlich auch durch Querlesen schnell an Informationen gelangen kann. Im Anhang finden sich chronologische Tabellen und Landkarten, sowie ein Sach- und Namenregister. Meiner Meinung nach sollte jeder der Kunstgeschichte studiert den Gombrich zu Hause haben! :)
→ Gombrich, Ernst H.: Die Geschichte der Kunst. Berlin 2012.

Die „Wie erkenne ich?“-Reihe

Diese Reihe vom Belser Verlag ist sehr praktisch, vorallem um einen Überblick über eine Epoche zu bekommen. Die Bücher können auch von Studienanfängern- und Interessierten gut verstanden werden und wenden sich wahrscheinlich gerade an diese Zielgruppe. Es gibt viele Beispielbilder und Schemata, Infokästchen und Zeittafeln, ein Glossar und sogar Reisetipps. Die sehr übersichtlich gestalteten Bücher mit rund 120 Seiten kann ich nur empfehlen!
Sagner, Karin: Wie erkenne ich? Die Kunst der Gotik. In der Reihe Wie erkenne ich? Stuttgart 2003.

Baustilkunde von W. Koch (♥)

Wenn du eine Frage zu Architektur hast, wirst du hier sehr wahrscheinlich fündig! Das Buch vereint auf etwas über 500 Seiten sowohl einen sehr übersichtlichen historischen Überblick, welcher sogar nach Ländern gegliedert ist, ein Glossar sowie viele Abbildungen (~2800 Stück!), unter anderem zu Kuppel-, Fenster-, Säulen- und Turmformen. Das Orts- und Namensregister ist durch ein Polyglott-Anhang in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch erweitert. Wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat (was sehr schnell geht), ist Kochs Baustilkunde ein Buch, das man auf keinen Fall missen möchte!
→ Koch, Wilfred: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Brockhaus. Gütersloh / München 2013.

Reclams Handbuch der künstlerischen Techniken (♥)

Nicht klein, dünn und gelb aber dennoch von Reclam: Das Handbuch der künstlerischen Techniken. Hier werden in drei Bänden die Techniken der Kunst besprochen. Von Tüchleinmalerei, Farbwahrnehmung (Optik) und Tafelbildern hin zu Acryl und Mosaiksetzverfahren. Zum Nachschlagen von Begrifflichkeiten und für tieferes Verständnis sehr geeignet!
→ Koller, Manfred u.a.: Reclams Handbuch der künstlerischen Techniken. Stuttgart 1988.

Einführung in die Ikonographie

Diese Einführung ist neben den Handbüchern und Lexika der Ikonografie sehr zu empfehlen. Ich hatte das Buch vor Studienbeginn zufällig schon zu Hause und habe ein wenig darin rumgeblättert, hier und dort ein Kapitel gelesen. Das vor Beginn angeeignete Wissen aus dem Buch hat mir wirklich geholfen. Aber auch später, im 4., 5. oder auch 6. Semester kann man sicherlich noch was in dem Buch lernen! Es werden anschaulige Beispiele verwendet und viele historische Bezüge gebracht, was meiner Meinung nach sehr hilfreich, wenn nicht sogar unerlässlich für das Verständnis von Kunst ist.
Marginalien (Stichpunkte an den Seitenrändern) geben einen guten Überblick und durch das gut gegliederte Inhaltsverzeichnis kann man auch gezielt nach Thematiken suchen. Wichtige Begrifflichkeiten wie Apokryphen, Typologie und Personifikation sind in grau hinterlegten Kästchen anschaulich definiert und auch sonst ist der Text leicht verständlich und dennoch gehaltvoll gehalten. Zum „schnell mal nachschlagen“ ist das Buch vielleicht nicht so geeignet aber dafür ist es umso angenehmer zu Lesen.
→ Büttner, Frank / Gottdank, Andrea: Einführung in die Ikonographie. Wege zur Deutung von Bildinhalten. In der Reihe C.H. Beck Studium. München 2006.

Methoden-Reader Kunstgeschichte

Laut Klappentext eine „knapp gehaltene Einführung in die Methoden der Kunstwissenschaft“. Wer sich also einen Überblick über die Methoden der Kunstgeschichte verschaffen will, ist mit diesem Buch gut bedient. Die beschriebenen Methoden der „Klassiker“- Vasari, Warburg, Wölfflin, Panowsky u.a.- sind mehr oder weniger kurz zusammengefasst und teilweise mit verwendeter/weiterführender Literatur versehen. Obwohl ich nun „schon“ im vierten Semester bin, habe ich noch keine Info zu den Methoden benötigt, die ich nicht in diesem Buch gefunden habe. Je nach dem, wo eurer Studienschwerpunkt liegt, reicht also dieser Reader vollkommen aus!
→ Brassat, Wolfgang / Kohle, Hubertus: Methoden-Reader Kunstgeschichte. Texte zur Methodik und Geschichte der Kunstwissenschaft. in der Reihe Kunst & Wissen. Köln 2009.

Binding/Köpfs Bildwörterbuch der Architektur (♥)

Dieses Wörterbuch ist wirklich klasse zum Nachschlagen von architektonischen Begriffen. Die Übersetzungen der Stichpunkte in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch sind sehr hilfreich, gerade wenn man nicht deutschsprachige Literatur durchforsten möchte/muss. Das Wörterbuch ist handlich (etwas kleiner als DIN A5) ist so einfach zu nutzen, dass ich garnicht viel darüber sagen kann, außer, dass es in keiner Heim-Bibliothek eines Kunsthistorikers fehlen sollte!
→ Binding, Günther / Koepf, Hans: Bildwörterbuch der Architektur: Mit englischem, französischen, italienischem und spanischem Fachglossar. Stuttgart 2005.

 

Dann wären wir auch schon am Ende der Bücherliste! Natürlich gibt es hunderte andere Bücher, die gut sind, sicherlich auch welche die besser sind als die oben aufgelisteten, aber das sind so meine persönlichen Favoriten, die mir auch während des Studiums in Literaturlisten immer wieder über den Weg liefen.

Also, ich hoffe, ich konnte dir ein paar neue Bücher vorstellen! Viel Spass beim Lesen :)

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4 Gedanken zu “Buchempfehlungen fürs Studium der Kunstgeschichte

  1. Schöne Zusammenstellung! Danke dass du dir die Mühe gemacht hast :)) Ergänzen würde ich noch DuMonts kleine Kunstgeschichte. Bisschen weniger ausladend als der Gombrich ;)

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    • Liebe Jasmin, danke für dein Kommentar und deine Erweiterung! :) du hast recht, die kleine Kunstgeschichte ist weniger „ausladend“ :3 ich muss aber gestehen, dass ich sie aber nur kurz durchgeblättert habe und daher nicht allzu viel darüber sagen kann ^^

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