Wissenschaftliche Hilfskraft aka Hiwi: Laufbursche oder Forschungsmitglied?

Praktische Erfahrungen sind wichtig. Praktika sind das A und O der Geisteswissenschaften. Ohne Praktika sammelt man weder Berufserfahrungen in studienrelevanten Gebieten noch kann man wichtige Kontakte knüpfen. Aber mal ganz ehrlich, wie viele Studenten haben Zeit sich neben der Uni und dem Nebenjob noch einem Praktikum zu widmen, das meist auch noch unbezahlt ist? Oft bleiben da nur zwei Varianten: Super gestresst alles aufeinmal machen oder den Nebenjob zu Gunsten des Praktikums zu pausieren und eben Nudeln mit Ketchup zu essen.

Aber es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Eine Möglichkeit bei der man Uni, Nebenjob und Berufserfahrung vereinen kann. Und zwar als HiWi!

Wissenschaftliche Hilfskräfte oder auch studentische Hilfskräfte, kurz: Hiwis, sind Studenten (mit und ohne Abschluss), die parallel zu Studium an ihrer Universität im öffentlichen Dienst angestellt und tätig sind. Es gibt viele verschiedene Hiwistellen und viele sind eine tolle Gelegenheit in die verschiedenen Bereiche der späteren Arbeitswelt einzutauchen.

Was machen Hiwis?

Hiwis kann man (fast) überall finden. Sie wuseln in den Instituten, den Vorlesungen und Bibliotheken umher und halten den universitären Alltag am laufen. Doch welche konkreten Aufgaben erledigen Hiwis?

Persönliche Hiwis
Sie erledigen eigentlich alles, was die Lehre am Laufen hält, Lehrende jedoch z.B. aus Zeitmangel nicht übernehmen können/möchten. Zu den Aufgaben der persönlichen Hiwis zählt zum Beispiel die Verwaltung von Anmeldungen für Seminare oder das Erstellen oder Bearbeiten von Powerpoint-Präsentationen für Vorlesungen. Außerdem kümmern sie sich um die Anwesenheitslisten und um die Belange der Studierenden. Manchmal sind die persönlichen Hiwis auch für die Planung von Exkursionen zuständig. Wie alle anderen Hiwis sind auch persönliche Hiwis normale Studierende des Instituts, wodurch die Hemmschwelle der Fragen anderer Studierende meist recht gering ist. So können für Probleme, die nunmal im Unialltag auftauchen, gemeinsam Lösungen gefunden werden.

Projekt-Hiwis
Institute haben eine Vielzahl an laufenden Projekten. Meist leitet einer der Lehrenden ein solches Projekt und bei dieser Person kann man als sogenannter „Projekt-Hiwi“ angestellt werden. Gerade die Stellen für Projekte bieten wahnsinnig spannende Einblicke in verschiedene Felder. Darunter beispielsweise in den Bereich der Denkmalpflege, des Museumswesens oder der Bauforschung. Dementsprechend verschiedenartig sind die Aufgaben, die auf einen zukommen.
Erfahrungsgemäß hat man nach Abschluss der Projekte (natürlich nur sofern man sich gut angestellt hat), die Möglichkeit auch bei kommenden Projekten mitzuarbeiten. Wenn dich solche praktischen Arbeiten interessieren, frag doch einfach mal nach, ob es zur Zeit irgendwelche Projekte gibt. Gerade in diesem Bereich stehen die Chancen hoch, mal eben reinzuschlüpfen.
Ich z.B. bin damals als Projekt-Hiwi bei meinem Architektur-Professor eingestiegen. Meine Aufgabebereiche waren dort recht abwechslungsreich. Ich habe Putz von alten Mauern abgeschlagen, später die freigelegten Steine kartiert und dokumentiert, Befundlisten geschrieben und Fotos gemacht. An manchen Tagen habe ich auch bei archäologischen Arbeiten mitgearbeitet und in gotischen Böden gewühlt. Für die Forschung irrelevante Fundstücke durfte ich als Andenken an meine „erste Ausgrabung“ behalten. Ziemlich cool!

Hiwis in der Bibliothek/Mediathek/Diathek/Fotothek…
In der Bibliothek, Mediathek usw. arbeiten ebenso meisten Studenten. Sie sind in erster Linie für die Aufsicht der jeweiligen Abteilung zuständig. Oft kommen Studenten mit Fragen in die Bibliothek, die nicht unbedingt etwas mit Büchern zu tun haben. Auch in der Bibliothek kommen also oft Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Neben diesen Aufgaben kommen z.B. Digitalisierungen (per Scan), Revisionen oder Pflege der Datenbanken auf den Plan.

Wie lange ist man Hiwi und wie oft arbeitet man?

Hierauf gibt es keine klare Antwort, denn diese Punkte richten sich ganz nach den Anforderungen. Das Projekt könnte beispielsweise zeitlich begrenzt sein, die Professorin könnte in Rente gehen oder die Bibliothek die Öffnungszeiten verlängern.
In der Regel werden Hiwi-Verträge monats- oder semesterweise abgeschlossen. Läuft der Vertrag aus, ist die Beschäftigung beendet. Die Verträge können jedoch auch verlängert werden. Dies ist vor allem bei langfristigeren Arbeiten wie als persönlicher Hiwi oder in der Bibliothek der Fall.
Oft kann die Anzahl der Stunden in einem gewissen Rahmen von den Studierenden selbst bestimmt werden. Manchmal kommt aber auch viel mehr Arbeit auf einen zu, weil z.B. jemand anderes kurzfristig gekündigt hat. Wenn einem die Arbeit Spaß macht oder man etwas Geld zurücklegen möchte, ist man sogar dankbar für solche Situationen. Als Hiwi darf man maximal etwa 80 Stunden/Monat, also 19,5/Woche arbeiten.
Ich sollte für 30 Stunden/Monat zu einem Projekt, daraus wurden am Ende 80 Stunden. Manchmal ist aber doch deutlich weniger zu tun.  Als mein Vertrag am Auslaufen war, wurde klar, dass einfach nicht mehr genügend Arbeit für uns Hiwis vorhanden war, also hat er geendet. So rum geht’s also auch. Ansonsten endet die Stelle als Hilfskraft spätestens mit der Exmatrikulierung. So oder so, sollte man darauf Acht geben, dass die Stunden vertraglich abgedeckt sind schließlich ist es Arbeit!

Was verdienen Hiwis?

So wie fast alles, variiert auch das von Universität zu Universität. Für verschiedene Abschlüsse gibt es auch verschiedene Vergütungen. Ein Student ohne Bachelorabschluss verdient weniger als einer, der seinen Master beendet hat und promoviert. Laut Wikipedia beträgt der Höchstsatz für ungeprüfte Hilfskräfte (also ohne Abschluss) 9,05 Euro pro Stunde (Stand 08/2014). Den konkreten Stundenlohn findet ihr, wenn ihr eure Uni gemeinsam mit „Hiwi“ googelt oder in euren Fakultäten nachfragt. Aber all das wissen nützt euch nichts, solange ihr kein Hiwi seid, oder?

Also, wie wird man Hiwi?

Die (neben der Bezahlung) wohl spannendste Frage: Wie wird man eigentlich Hiwi? Auch dort gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ihr könnt auf der Seiter des Studentenwerks schauen, euch bei Tutoren und Kommilitonen umhören, am Schwarzen Brett in den Instituten nachsehen. Von Zeit zu Zeit gehen die Dozenten von sich aus auf Studenten zu, z.B. wenn sie ihnen besonders positiv im Seminar aufgefallen sind. Auf solche Glücksfälle würde ich allerdings nicht warten, sondern die Sache selbst in die Hand nehmen und mich umhören!

Laufbursche oder Forschungsmitglied?

Aus meiner Erfahrung kann ich definitiv Forschungsmitglied sagen! Das Arbeitsklima bei dem Projekt an dem ich MITgearbeitet habe war sehr angenehm. Mein Dozent war immer darauf gespannt, was unsere Arbeit zutage gebracht hat. Natürlich bleibt der Vorgesetzte wer er ist aber wenn man gemeinsam an solch einem Projekt arbeitet, geht es darum voranzukommen, da ist egal, wer die entscheidende Entdeckung macht! Ich habe mich daher überhaupt nicht als Laufbursche ausgenutzt gefühlt sondern mich eher im Gegenteil als richtig echtes Forschungsmitglied gefühlt! Aber das sind nur meine Erfahrungen und auch nur Eindrücke von wenigen Wochen.

Ich habe schon öfters gehört, dass Hiwis für gewisse Arbeiten unterbezahlt sind und theoretisch mehr Gehalt und Urlaubsanspruch etc. verdienen. Aber trotz allem muss ich ganz ehrlich sagen: Lieber verdiene ich 8,90€ die Stunde als Hiwi und kann diese Stelle „mit Stolz“ in meinen Lebenslauf aufnehmen als 10€ bei einem für mich irrelevanten Job zu verdienen. Zudem lernt man bei den meisten Hiwi-Stellen neue Leute kennen, sowohl Freunde als auch potentielle Arbeitgeber! Aber das muss jeder für sich entscheiden.

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p style=“text-align:justify;“>So Leute, das war´s fürs erste von der „Hiwi-Front“. Ich hoffe, ihr konntet euch ein Bild von dieser Möglichkeit machen. Findet ihr, ich habe irgendetwas Wichtiges vergessen, wollt ihr zu bestimmten Dingen mehr erfahren oder einfach euren Senf dazu geben? Ich freue mich auf eure Kommentare!

2 Kommentare zu „Wissenschaftliche Hilfskraft aka Hiwi: Laufbursche oder Forschungsmitglied?

  1. Hallo NetzTraktat, oder Jimena? Ich bin selber Hiwi an meiner Uni, habe schon bei einigen Projekten in der Archäologie mitgearbeitet. Ich kann das auch wirklich nur jedem empfehlen. Ich habe so viel gelernt! Vor allem sind das Dinge, die man in einem Seminar nie lernen würde. Wer die Möglichkeit hat: Definitiv ergreifen :D

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Paul! Danke für deine Erfahrungen! Ich habe auch festgestellt, dass das Wissen, das man dort erlangt echt viel bringt. Es ist auch bei mir nicht bei dem ersten Projekt geblieben (nach dem ich diesen Beitrag hier geschrieben habe)… Mittlerweile arbeite ich an dem 4. Bauforschungsprojekt und habe nebenbei am Institut auch schon einige Verwaltungsjobs und so gehabt. Man muss sich also nicht immer auf einer Baustelle schmutzig machen :P

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