Die Geschichte der Fotografie

Heute ist Fotografie jedem ein Begriff- ob Urlaubsfotos mit der Spiegelreflex, Selfies mit dem Handy oder Partyfotos mit Sofortbildkamera. Die Natur „einzufangen“ und abzubilden ist für uns längst keine Zauberei mehr. Doch wie kam es dazu, dass sich Menschen für das noch vollkommen unbekannte Medium der Fotografie zu interessieren begannen und welche Entwicklung nahm das neu entdeckte Medium?

Geschichte der Fotografie

Verändert nach Henry Fox Talbot: Buckler Fern, 1839. Kalotypie. (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Die Geschichte der Fotografie ist ein Thema das in tausenden Büchern und Abhandlungen besprochen wurde. Da ich im letzten Semester ein Referat darüber hielt, dachte ich, lasse ich euch an meinem „kurzen“ Überblick über die Geschichte teil haben!

Für eine bessere Übersicht, habe ich mich für eine chronologische Darstellung der Entwicklung entschieden. Die Geschichte der Fotografie ist ein sehr komplexes Thema, an dem viele Personen und Prozesse beteiligt waren, weshalb der Beitrag wirklich nur eine Übersicht sein kann. Aber los gehts!

Die Anfänge

Bereits Aristotelis wusste vor 2.300 Jahren, dass Lichtstrahlen, die durch ein kleines Loch in einen dunklen Kasten fallen auf der dahinterliegenden Fläche ein Abbild des vor dem Loch befindlichen erzeugen.

Daraus entwickelte sich, ab 900 zunächst die Camera obscura. Wohl die erste Apparatur welche ein reales Abbild der Natur schaffen konnte.

Camera Obscura

Funktionsweise einer Camera Obscure (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Die Camera Obscura ist, wie der Name bereits sagt ein dunkler Raum. An ihrer Vorderseite befindet sich ein kleines Loch, durch welches Licht in das Innere fällt. Dieses wirft ein Abbild des vor dem Loch befindlichen an die gegenüberliegende Wand. Eine Camera obscura kann verschiedene Größen haben. Sie kann sowohl ein kleiner Kasten, als auch ein ganzer Raum sein, indem ein Mensch Platz findet.

Der „Erfinder“ der Camera obscura ist nicht überliefert. Giovanni Battista della Porta, welcher im 16. Jahrhundert lebte, nannte sich allerdings den Erfinder der Lochkamera, einer Kamera, die nach demselben Prinzip der Camera obscura funktionierte. Er empfahl die Lochkamera übrigens als Zeichenhilfe, für Personen, die nicht malen können. Aber auch viele andere Künstler, die sehr wohl malen und zeichnen konnten, wie Canaletto und Caspar David Friedrich nutzen die Camera obscura unter anderem für Vorzeichnungen.

Schon bald gehörte die Camera obscura zur künstlerischen Routine. Mit ihrer Hilfe entstanden auch die zahlreichen Veduten, die möglichst realistischen Stadtbilder, welche vor allem im 18. Jahrhundert verbreitet waren. Bisher mangelte es der Kamera obscura allerdings an Mobilität, außerdem konnte das Bild nicht fixiert, sondern nur abgemalt werden…

Falls ihr euch eine Camera obscura/ Lochkamera selbst basteln möchtet oder einfach mal sehen wollt, wie das Ganze „in natura“ funktioniert, schaut doch mal in das Video Lochkamera selbst bauen – Sachgeschichten!

Die Entwicklung der Fotografie

Das Jahr 1839 gilt heute offiziell als Geburtsstunde der Fotografie. Dieses Jahr sollte man also im Hinterkopf behalten. Achtzehnhundertneununddreißig.

Die wahrscheinlich erste und unbeabsichtigte Entdeckung, welche den Weg der Fotografie ebnen würde ist Christoph Adolph Balduin zu verdanken. Bei dem alchemistischen Versuchen stellte er (wohl ausversehen) aus Kreide und Salpetersäure Kalziumnitrat her. Die getrockneten Rückstände der Lösung begannen zu leuchten. Etwa 50 Jahre später wollte der Gelehrte Johann Heinrich Schulze das Experiment wiederholen. In seiner Salpetersäure befanden sich allerdings Silberrückstände, weswegen Kalziumnitrat und Silbernitrat entstanden (ja, auch als Kunsthistoriker kommt man um Chemie nicht herum…). Diese beiden Substanzen verbanden sich und schufen so eine lichtempfindliche Oberfläche. Heute gilt Johann Heinrich Schulze als Entdecker der Lichtempfindlichkeit der Silbersalze.

Um 1800 beschäftigte sich der Chemiestudent Thomas Wedgwood mit der Entdeckung Schulzes. Auch die Camera obscura war ihm geläufig. Wedgwood war der Erste der mit Silbernitrat beschichtete Untergründe, wie Papier, Leder und Glas, belichtete. Er scheiterte allerdings an der Fixierung, da die Bilder, welche abgelichtet wurden im Licht schnell komplett verdunkelten. Dass der schwedische Chemiker Carl W. Scheele bereits eine Möglichkeit der Fixierung mit Ammoniak oder Kochsalzlösung kannte, war Wedgwood unbekannt. Auch Scheele war sich weder seiner Entdeckung geschweige denn der Auswirkung bewusst.

Etwa zeitgleich, um 1798 begannen die französischen Brüder Claude und Joseph Nicéphore Nièpce Experimente zur Fixierung von durch die Camera obscura erzeugten Bildern. 1822 gelang Joseph Nicéphore Nièpce ein Durchbruch. Er schuf eine Direktkopie auf einer mit Asphalt beschichteten Zinnplatte. Durch die Belichtung härtete das Asphalt aus. Die nicht belichteten Stellen wusch er mit Lavendelöl aus. So entstand eine Art Fotorelief.

Nièpce wandte sich an den Maler und Erfinder Louis Jaques Mandé Daguerre. Gemeinsam schufen sie die Heliografie. Bei diesem Verfahren werden Asphalt, Jod und Silber über eine Kupfer- oder Zinnplatte gelegt und Belichtet. Auch hier wird das unbelichtete Material mit Lavendelöl ausgewaschen. Es gelang den beiden Forschern den Blick aus Nièpces Arbeitszimmer (1826) festzuhalten. Diese Abbildung ist die älteste erhaltene Heliografie.

Niepce Arbeitszimmer Fotografie

Nicéphore Niépce: Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras, 1826. Zinnplatte, 20x 25cm. Harry Ransom Humanities Research Center, Austin. (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Niepce arbeitszimmer fotorgafie

Weitere Abbildung des Blicks aus dem Arbeitszimmer in Le Gras (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Doch erst nach Nièpces Tod gelang es Daguerre im Jahre 1835 eine, in seinen Augen brauchbare Technik zu entwickeln. Um die Belichtungszeit zu verkürzen, setzte Daguerre Spiegel als Reflektoren ein. Dennoch dauerte die Belichtung der Fotoplatten noch rund acht Stunden! Also, bitte laaaange still halten!

Eines Tages, als Daguerre eine neue Fotoplatte belichten wollte, zogen Wolken auf und er musste nach wenigen Minuten, auf Grund mangelnden Lichts die Belichtung abbrechen. Es war möglich, die Platte zu verdecken und bis zur nächsten Belichtung aufzubewahren. Als Daguerre die Platte am nächsten Tag aus seinem Arbeitsschrank holte, sah er, dass das Bild bereits vollkommen belichtet und entwickelt war. Verantwortlich dafür war eine Schale mit Quecksilber, welche Daguerre zufällig im gleichen Schrank aufgebahrte. So entstand die Quecksilber-Dampf Entwicklung. Durch sie verkürzte sich die Belichtungszeit auf nur wenige Minuten.

Doch nicht nur Niépce und Daguerre beschäftigten sich mit verschiedenen Aufnahmemethoden und dem Haltbarmachen derselben. Auch der britische Wissenschaftler William Henry Fox Talbot hatte im Jahr 1833, also noch vor Daguerres Entdeckung der kurzen Belichtung, ähnliche Versuche durchgeführt.

Talbot präparierte Papier mit Kochsalz- und Silbernitratlösungen. Heute nennen wir diese Technik Salzpapier, bzw. Salzpapierabzüge. Mit Hilfe diese Salzpapiere stellte Talbot Negative u.a. von Blättern und Federn an. Zwei Jahre später, 1835 war Talbot bewusst geworden, dass man durch eine bestehende, durchsichtig gemachte Abbildung ein zweites hervorbringen könnte. Licht und Schatten seien dann umgekehrt.

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Henry Fox Talbot: Buckler Fern, 1839. Kalotypie. (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Somit beschrieb Talbot als erster die Kontaktkopie und das Positiv-Negativ-Verfahren. Er ließ sich seine Erfindung patentieren und nannte sie Kalotypie. Seine Entdeckungen hielt Talbot allerdings zunächst zurück. 1839 stelle Daguerre schließlich sein Verfahren erstmals der Öffentlichkeit vor. Die Technik nannte er Daguerreotypie. Wenn ihr euch noch erinnert: 1839 ist die offizielle Geburtsstunde der Fotografie!

Die Fotografie stieß noch lange Zeit auf Kritik. Sie war verpönt, als nüchternes Abkupfern der Natur und negatives Produkt der Industrialisierung. Doch mindestens genau so viele Menschen erkannten das Potential, welches in der Fotografie steckte. Nach 1839 gab es eine regelrechte Flutwelle von Forschern. Alle wollten das neue Medium verbessern, alltagstauglicher machen. Wichtige Neuerungen waren verbesserte Objektive und die Entdeckung weiterer lichtempfindlicher Salze. Viele Optiker, darunter Josef Petzval fertigen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten wissenschaftlich berechneten Objektive zur Verbesserung der Lichtstärke an. Somit konnte die Belichtungsdauer noch weiter verkürzt werden. Zu dem Salzpapier als Träger traten das Albuminpapier und die Kollodium-Nassplatte hinzu.

Die Fotografie wurde allmählich zur Massenware. Die 1851 entwickelte Kollodium-Nassplatte brachte Bilder in bisher ungeahnter Qualität. Diese Neuerung hatte allerdings auch ihren Preis: Man musste sehr schnell handeln, denn die Nassplatten mussten in einer Dunkelkammer befeuchtet werden und noch im feuchten Zustand belichtet und ebenso wieder in einer Dunkelkammer entwickelt werden. Die Kamera samt den Materialien wog über 50 Kilogramm, ein Zelt als Dunkelkammer musste der Fotograf stets mit sich führen. Dennoch scheuten die Fotografen keine Mühen.

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John Thomas: A woman standing by the gate of an ivy-clad cottage, 1875. 10 x 12.5 cm. (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain| National Library of Wales)

Bald darauf folgten die ersten Silberbromid-Gelatinetrockenplatten. Die Gelatinetrockenplatte war ein wesentlicher Schritt zur Dokumentar- und Pressefotografie, da sie industriell hergestellt wurde und für jeden verfügbar war.

Im Jahre 1889 kam die Kodak-Box oder auch Kodak Nr. 1 genannt auf den Markt. Sie galt als erstes Amateurgerät. Ihr Erfinder Georg Eastman, setzte sich als Lebenszielt, die Fotografie zu verbeiten. Sie sollte einfach, sicher und preiswert sein. Er entwickelte die Marke Kodak und warb mit dem Motto „You press the button, we do the rest“. Dem wurde Eastman auch gerecht: Die Kamera samt vollem Film konnte in sein Labor eingeschickt werden. Nach etwa einem Monat, kam die Kamera mit den Fotos und neu eingelegtem Film zurück.
Eastman gelang es so, eine einfache Handhabung anzubieten. Mittlerweile ist erforscht, dass die Kodak Nr. 1 weder die erste Amateurkamera noch das Eastman überhaupt ihr Entwickler war. Dennoch vermarktete er die Kodak so gut, dass es ihm gelang einen Massenmarkt zu erschließen.

1907 gelang es den Gebrüdern Lumière mit Hilfe des Autochrom-Verfahrens farbige Fotografien zu fertigen.

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Auguste Léon: The church St.Sophia in Ohrid, 1913. (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Von nun an überschlagen sich wieder die Ereignisse. Neue Kameramarken wie Leica, Agfa entstehen. 1913 fotografiert die Leica erstmals mit dem noch heute üblichen Kleinbildformat. In den 1930er Jahren waren diese Filme schließlich Massenware, Ende der 30er wurden die Kleinbildformate auch für Farbfotos praktikabel. Hier entstand die sogenannte Schnappschussfotografie.

Und die Entwicklung ging rasant weiter. In den 1940er Jahren entwickelte man die Spiegelreflexkamera. Ebenso in den 40er Jahren kam die erste Sofortbildkamera auf den Markt. Edwin Land gilt als ihr Erfinder. Zu nennen ist hier vor allem die Polaroid Kamera, die ihr wahrscheinlich alle, wenigstens als Nostalgie-Gegenstand kennt (…oder vielleicht doch von Outcasts Hey Ya!?). Ab den 1950er Jahren kommt die erste Blütezeit der Spiegelreflexkameras auf. Verschiedenste Objektive, Filter und Kameragehäuse werden entwickelt. Erste Fotoausstellungen wandern um die Welt.

In den 1970er Jahren hatte die Fotografie endgültig allgemeine Berühmtheit erlangt. Der Markt wurde beinahe überflutet von verschiedenen Herstellern und Neuerungen. Die Fotoindustrie florierte.In den kommenden Jahren entwickelten sich die Kameras in ihren Funktionen weiter. Mechanische Bedienelemente, LC-Displays und Autofokus waren wichtige Neuerungen der 1980er Jahre. Die Casio QV 10 ist die erste digitale Kamera auf dem Massenmarkt. Sie erscheint 1995.

Diesen Punkt würde ich gerne als Ende der kunsthistorischen Betrachtung der Entwicklung der Fotografie nennen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Geschichte der Fotografie ein sehr, sehr komplexes und interessantes Thema ist. Es gab unheimlich viele verschiedene Ansätze, denen Forscher in verschiedenen Ländern nachgingen.

Ich hoffe, ihr hattet Spass beim Lesen und könnt das eine oder andere mitnehmen! Habt ihr denn selbst schon einmal eine Lochkamera gebastelt oder sogar mit einer fotografiert? Kennt ihr euch etwas mit Fotografie aus und habt vielleicht schonmal selbst Fotos in einer Dunkelkammer entwickelt, oder seid ihr eher die Handy-Fotografen?
Lasst doch ein Kommentar da, dann sehen wir mal wie wichtig uns Kunsthistorikern die Fotografie ist ;)


Quellen:

FRIZOT, Michel: Neue Geschichte der Fotografie. Köln 1998.
BRAUCHITSCH, Boris von: Kleine Geschichte der Fotografie. Stuttgart 2002.
NEWHALL, Beaumont: Geschichte der Photographie. München 1984.

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