Fundwerk der Woche KW 40/14 & 41/14

Johann Heinrich Füssli aka Henry Fuseli: Der Künstler verzweifelnd angesichts der Größe der antiken Trümmer, 1778–1780;
42 × 35,2 cm; Rötel mit Sepia getönt

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Johann Heinrich Füssli aka Henry Fuseli: Der Künstler verzweifelnd angesichts der Größe der antiken Trümmer, 1778–1780; 42 × 35,2 cm; Rötel mit Sepia getönt (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Caspar David Friedrich: Ruine der Pforte des Klosters zum Heiligen Kreuz, Meißen, 1824;
21x 14,9 cm; Aquarell und Bleistift auf Papier

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Caspar David Friedrich: Ruine der Pforte des Klosters zum Heiligen Kreuz, Meißen, 1824 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Diese Woche gibt es gleich zwei Fundwerke, da ich letzte Woche einfach nicht dazu gekommen bin einen Beitrag hochzuladen.
Ich werde die Bilder nacheinander besprechen, damit es nicht zu unübersichtlich wird.

Vorweg: Ganz unbeabsichtigt sind es schon wieder zwei Bilder, die in die Epoche Romantik gehören… Aber hier geht es ja nicht darum auf Biegen und Brechen irgendwelche Werke zu finden sondern darum, euch die Bilder die mir im Verlauf der Woche über den Weg laufen zu präsentieren.

Diese beiden Werke habe ich im Zusammenhang mit dem Thema Denkmalpflege entdeckt. Aber haben sie wirklich etwas mit Denkmalpflege zu tun!?

Johann Heinrich Füssli aka Henry Fuseli: Der Künstler verzweifelnd angesichts der Größe der antiken Trümmer, 1778–1780

Bei der Zeichnung von Johann Heinrich Füssli (Engl. Henry Fuseli) könnte man beim Betrachten durchaus auf den Gedanken der Denkmalpflege kommen. Ein Mensch sitzt vor einer riesigen Hand und einem Fuß und tätschelt mitleidig die großen Überbleibsel einer Statue. Bei der Denkmalpflege geht es aber natürlich nicht um das Streicheln alter Trümmer. Bei diesem Werk, mit diesem Titel bleibt viel Interpretationsspielraum. Ist der Künstler verzweifelt, weil er niemals so ein monumentales Werk erschaffen kann wie die alten Meister es taten oder ist er verzweifelt, weil selbst die mächtigsten Kunstwerke der Zeit unterliegen und durch diese zerfallen, schließlich ist im Titel von „Trümmern“ die Rede. Oder geht es um etwas ganz anderes?

Wie man den Titel und das Bild auch interpretieren mag, es kann durchaus sein, dass solche Bilder dazu beitrugen, der Denkmalpflege einen höheren Stellenwert zuzuschreiben. Schließlich wäre es bei angemessener Pflege, sprich bei den richtigen Maßnahmen zur Erhaltung vielleicht garnicht so weit gekommen?

Durch Recherchen bin ich übrigens darauf gestoßen, dass diese Zeichnung an die zwolf Meter hohe marmorne Kolossalstatue Konstantins des Großen um 315 angelehnt sein könnte. Wenn ihr euch die Hand und den Fuß auf dem unteren Bild anschaut, fallen einem schon Gemeinsamkeiten aus. Gerade durch die Rezeption einer realen Statue erhält die Zeichnung einen ganz besonderen Wert.

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Rom: Erhaltene Fragmente der Kolossalstatue Konstantins des Großen, Innenhof (Palazzo dei Conservatori) der Kapitolinischen Museen in Rom (Foto: Lalupa. Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Caspar David Friedrich: Ruine der Pforte des Klosters zum Heiligen Kreuz, Meißen, 1824

Eigentlich wollte ich die Studie einer Ruine nehmen, diese habe ich allerdings nicht im Internet gefunden… Aber ich denke, auch dieses Werk ist für meinen Gedankengang geeignet. Nennenswert im Bezug auf Denkmalpflege (und ihre Geschichte) ist dieses Aquarell in meinen Augen nämlich durch seine Detailgenauigkeit. Es bleibt natürlich offen, in wie fern dieser Durchgang mit dem Okulus darüber um 1842 genau so existierte oder wie viel zu Gunsten des Aquarells abgeändert wurde, daher wäre die eigentliche Studie wohl doch angebrachter gewesen. Angenommen es handelt sich hier aber auch um eine genaue Studie, so könnte dies als eine Vorstufe eines steingerechten Aufmassplanes gesehen werden. Auch andere Werke von C.D. Friedrich, in denen ruinöse Architektur gezeigt wird, sind Zeitzeugen der Bauwerke. Ich halte es für wahrscheinlich, dass viele der Ruinen ungeschönt und realistisch abgebildet wurden, was für uns ~200 Jahre später eine Art Bestandsaufnahme des jeweiligen Gebäudes darstellt. Natürlich wurden die Gemälde und Skizzen nicht in Hinblick auf die Bauforschung angefertigt, sonder wohl eher als romantische, stimmungsvolle teilweise melancholische Darstellungen der Natur und des Vergänglichen, weshalb Abänderungen nicht unmöglich sind.

Ich fände es sehr interessant, nach Meißen zu fahren und das Kloster zum Heiligen Kreuz zu besichtigen. Oder mir die Klosterruine Eldena bei Greifswald anzusehen oder die Abtei im Eichenwald zu suchen. Vielleicht stehen sie ja noch heute so, wie Caspar David Friedrich sie einst gesehen hat und vielleicht sind die Skizzen und Gemälde mehr als nur schöne Stimmungsbilder…

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