Epochen leicht gemacht: 3. Karolingische Renaissance (um 800)

In dem heutigen Beitrag zu „Epochen leicht gemacht“ möchte ich euch die Karolingische Renaissance vorstellen. Ich werde auf die Karolingische Kunst im Bezug auf Architektur sowie auf die verschiedenen Buchmalereischulen um 800 wie Hof- und Palastschule eingehen. Dieser Beitrag wird also etwas länger werden. Viel Spass beim Lesen!

Kurzer Überblick: Karl der Große (von 768- 814 König/Kaiser des Fränkischen Reichs) besaß weite Teile West- und Mitteleuropas. Er wollte die Künste wie Architektur, Literatur und auch Wissenschaften ausweiten und wieder aufbauen. Karl der Große orientierte sich hier an antiken Vorbildern und strebte die sogenannte Renovatio Imperii an, die Karolingische Renaissance.


Architektur

Aachener Pfalzkapelle (ab 768)

„Aix dom int vue cote“ von Velvet - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aix_dom_int_vue_cote.jpg#mediaviewer/File:Aix_dom_int_vue_cote.jpg

Innenansicht der Pfalzkapelle in Aachen (Quelle: Velvet – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons)

Die Aachener Pfalz darf beim Stichwort Karolingische Renaissance nicht fehlen. Hier nur ein paar Stichpunkte, die man sich merken sollte:

  • Oktogon (Achteck) im Zentrum
  • 16-seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang
  • Grundriss folg römischen Bauten
  • San Vitale in Ravenna vermutlich Vorbild
  • Rundbogenöffnungen mit Säulen-/Akardengittern
  • Enthält sog. Spolien (Wiederverwendete Teile aus älteren Bauwerken)

 Lorscher Torhalle (Mitte 9. Jh.)

Elswhs at nl.wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], vom Wikimedia Commons

Lorscher Torhalle (Quelle: Elswhs at nl.wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)%5D, vom Wikimedia Commons)

Die Lorscher Torhalle ist ein spätkarolingischer Bau, welcher zwar nicht unter Karl dem Großen erbaut wurde, aber dennoch in der Epoche der Karolingischen Architektur zu verorten ist. Auch hier fällt die Rezeption der Antike auf, z.B. durch die Anordnung der verbauten Steine und die Anlehnung an ein Triumphbogen.

  • Verarbeitete Spolien z.B. Kapitelle
  • Drei gleichgroße Bogenöffnungen
  • Zweifarbige Sandsteinkaros (Opus Reticulatum) als Inkrustation (vorgeblendete Fassade)

Buchmalereischulen

Hofschule/ Ada-Gruppe (ca. 780-830)

(Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Ada-Handschrift: Der Evangelist Matthäus, Aachen, um 800 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

  • Evangelist in Bogenarchitektur
    In der verzierten Bogenarchitektur sitzt einer der vier Evangelisten mit seinem jeweiligen Evangelistensymbol (Lukas=Stier, Markus=Löwe, Matthäus=Engel/Mensch, Johannes=Adler).
  • Lineare Bildauffassung
    Die Konturen sind klar voneinander abgegrenzt und gehen nicht malerisch ineinander über. 

  • Umkehrperspektive
    Die gesamte Perspektive erscheint unstimmig. Man kann sich z.B. nicht sicher sein, ob die Architektur im Hintergrund auf die Person im Mittelpunkt zuläuft oder nach hinten flüchtet. Wenn alle Punkte nach innen auf einen Mittelpunkt laufen, spricht man von einer Umkehrperspektive. 

  • Unstimmig verbundene Körperteile
    Es ist nicht klar, wie die Körperteile verbunden sind. Die Anatomie ist dem Gewand untergeordnet. Nur durch Raffungen des Stoffes und Weißhöhungen (z.B. am Knie) werden Konturen des Körpers sichtbar. 

  • Horror Vacui
    „Die Angst vor der Leere“. Ich schätze, wenn man sich das Bild anschaut, ist klar was dieser Stichpunkt bedeutet: Jede Fläche ist ausgefüllt und es wirkt tatsächlich so, als ob leere Stellen um jeden Preis gefüllt wurden.

Palastschule/ Gruppe um das Wiener Krönungsevangeliar (Ende 8. Jh. bis 1. Viertel 9. Jh.)

Coronation_Gospels_-_St_John

Krönungsevangeliar: Johannes der Evangelist, Aachen, kurz vor 800 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

  • Naturalistische Gestaltung
    Die Körper sind bei der Palastschule um einiges naturalistischer Gestaltet als bei der Hofschule. Am ehesten zu vergleichen ist die Körperauffassung mit der der Spätantiken Buchmalerei, wobei der Körper in dem Beispiel auch durch ein Gewand verhüllt ist.

  • Durchgebildetes Gesicht
    Die Gesichter sind hier recht ausformuliert und natürlich. Individualisiert sind sie jedoch noch nicht. 

  • Angedeutete Landschaft im Hintergrund
    Ja, das was da so aussieht wie verkohlte Bäume ist wichtig und nennenswert. Das dürft ihr aber nicht mit einer echten Landschaftsdarstellung verwechseln, die kommt nämlich erst deutlich später, etwa bei Konrad Witz. 

  • Figur durch Schatten modelliert
    Die oben genannte naturalistische Körperdarstellung wird durch Schatten modelliert. Besonder auffällig, finde ich die Schatten am (von uns aus) rechten Arm und im Gesicht. 

  • Enges Gewand schafft Körpervolumen
    Das Körpervolumen wird durch das eng anliegende Gewand modelliert. Obwohl der Körper verdeckt ist, lässt sich die Anatomie gut nachvollziehen. 
  • Überschneidungen im Bildrahmen
    Im Bereich des Rahmen kommt es häufig zu Überschneidungen. In diesem Beispiel, ragt der Teil des Throns auf dem die Füße ruhen über den Bildrahmen hinaus.

Reimser Schule (unter Erzbischof Ebo 816- 845)

(Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Ebo-Evangeliar: Evangelist Matthäus, Reims, zwischen 816 und 835 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

  • Ableger der Palastschule 
  • Expressiver Stil/ Nervöser Duktus
    Die Linien wirken nervös und dadurch expressiv. Der Duktus (Pinselführung) ist sichtbar. Dieser kann als Symbol Flüchtigkeit göttlicher Visionen verstanden werden. 

  • Kühles Farbspektrum
    Die Farbigkeit bei der Reimser Schule ist im Gegensatz zu anderen Buchmalereien in kühlen Farben wie Blau gehalten. 

  • Muldenfalten
    Auffällig sind u.a. die Muldenfalten. Diese entstehen durch die eng aneinander gesetzten Pinselstriche und sind ein wichtiges Merkmal der Reimser Schule.

Touronische Schule (um 850)

Vivian-Bibel, Tours, um 846, Überreichung der Handschrift an Karl den Kahlen  (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Vivian-Bibel, Tours, um 846, Überreichung der
Handschrift an Karl den Kahlen
(Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

  • Mehrfarbiger Hintergrund mit weichen Übergängen
    Der Hintergrund ist oft, so auch in diesem Beispiel, in farbige Streifen unterteilt, welche ineinander übergehen.

  • Tiefe durch Anordnung der Figuren
    Die Tiefenwirkung wird durch die Anordnung der Figuren erzielt. Wichtig dabei sind die Überschneidungen der Personen. 

  • Voluminöse Figurgestaltung
    Die Figuren scheinen durch ihre Gewänder und deren Falten ein gewissen Volumen zu haben. Sie wirken eher plastisch als „aufgeklebt“. 

  • Eingefrorene Gestik
    Die Figuren gestikulieren untereinander. Erhobene Hände, gesenkte Blicke und expresive Posen sind typisch für die Touroner Schule. 

  • Stilisierte Gesichter oft im ¾ Profil
    Durch die Anordnung der Personen und die Interaktion unter ihnen bot es sich an, die Figuren oft im 3/4 Profil abzubilden. Die Gesichter sind hier stilisiert, sie sehen sich alle sehr ähnlich und haben keine Individuellen Züge. Da sich gewisse Personen scheinbar im Bild wiederholen, könnte es sich auch um eine Simultansarstellung handeln.

 

Soo, das wars auch schon mit der Karolingischen Kunst. Für mich war es sehr hilfreich, diese Punkte mehr oder weniger auswendig zu lernen und auf ander Beispiele der jeweiligen Schulen (aus Büchern, dem Internet…) anzuwenden. Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr damit, die verschiedenen Buchmalereischulen zu unterscheiden. Übung macht den Meister!

Die nächste Epoche in dieser Reihe wird die Ottonische Kunst um 1000 sein.

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