Epochen leicht gemacht: 2. Insulare-/ Iro-Schottische Buchmalerei

Willkommen zu einem weiteren Teil von „Epochen leicht gemacht“! Heute werde ich euch die Insulare- oder auch Iro-Schottische Kunst anhand von Buchmalerei vorstellen.

Die Insulare Kunst oder auch Iro-Schottische Kunst genannt ist ein Stil der sich vorallem in der Buchmalerei hauptsächlich von Irland aus verbreitete. Die aufwendigen, kalligraphisch ausgearbeiteten Prachthandschriften entstanden zwischen 600 bis kurz nach 800 n. Chr. Eines der wohl bekanntesten Beispiele für Insulare Buchmalerei ist das späte Werk Book of Kells. Es wurde um 800 an der schottischen Westküste im Kloster Iona erstellt. Da es viele der Hauptmerkmale der Insularen Kunst vereint, habe ich meine Beispiele daraus gewählt.

(Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Book of Kells: Portrait John, Fol.291v, um 800 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

(Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Book of Kells: Incip. John, Fol.292r, um 800 (Quelle: Wikimedia Commons| Public Domain)

Flechtwerk und Flächenornamentik

Bezeichnend für die Werke der insularen Kunst sind die aufwendig ausgearbeiteten Ornamente. Sie verzieren große Teile der Seite. Bei dem zweiten Beispiel ist das besonders gut zu erkennen- sogut wie jede freie Fläche ist damit verziert. Ihr seht also Flechtwerk? Dann solltet ihr gleich Insulare Kunst im Kopf haben! Denn das sog. Knotenmuster beherrscht nicht nur die Buchmalerei sondern lässt sich ebenfalls bei Kleinodien wiederfinden (z.B. bei Gürtelschnallen). Die Ornamentik ist in der Buchmalerei nicht nur in der Rahmung vorherrschend sondern sogar bei den Personen. Dazu weiter unten mehr.

Symmetrisierung

Die symmetrische Anordnung ist typisch für insulare Kunst. Bei dem Beispielbild sehr ihr, wie gleichmäßig die ornamentalen Flechtwerke gearbeitet sind. Selbst die Person (hier Johannes) ist bis auf ihre Arme annähernd symmetrisch ausgebildet. Die Natürlichkeit der Person ist der Symmetrie untergeordnet.

Zoomorphe Elemente

Oder einfach gesagt: Tierdarstellungen. Diese sind in der insularen oder iro-schottischen Buchmalerei sehr beliebt. Es fällt jedoch oft schwer sie zu finden. In dem zweiten Beispiel sind kleine Tierköpfe im Flechtwerk versteckt. Aber auch in anderen Buchmalereien sind sie nicht immer als echte Tiere zu erkennen- oft sind sehen sie eher aus wie Fabelwesen. Daher ist es besser diese zoomorphe Elemente zu nennen, es müssen ja nicht immer reale Tiere sein!

Ornamentisierte Gewänder und Bärte

Hier geht`s weiter mit den Ornamenten. Wie bereits oben beschrieben, waren Ornamente und Flechtwerk sehr beliebt. Selbst bei den Gewändern und den Haaren hört diese Verspieltheit der Darstellung nicht auf. Euch ist vielleicht schon aufgefallen, wie unnatürlich die Kleidung der Figuren liegt- sie ist nämlich auch ornamentisiert. Auch die merkwürdig gekringelten Haare sind ein Indiz.

Stilisierte Gesichter

Zur Zeit der Insularen Kunst hat man sich noch nicht viel daraus gemacht, reale Personen mit individuellen Zügen darzustellen. Daher sind die Gesichter stilisiert- also vereinheitlicht.

Unstimmige Verbindung der Körperteile

Im Gegensatz zur natürlichen Körperauffassung in der spätantiken Buchmalerei, sind die Figuren hier weniger naturalistisch geformt. Die Körperlichkeit wird der ornamentalen Kleidung untergeordnet und die Figuren wirken dadurch teilweise wie komisch zusammen gesteckte Puppen. Klingt nicht sonderlich wissenschaftlich- so kann man es sich aber gut merken!

Die nächste Epoche die ich euch vorstellen werde wird, wie bereits angekündigt die Karolingische Kunst- vor allem die verschiedenen Buchmalereischulen um 800 sein!

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